„Funktioniert eine Wärmepumpe in meinem Altbau?“ – diese Frage lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Sie hängt an einer einzigen Kennzahl und an der Frage, wie warm Ihr Heizungswasser sein muss.
Die Jahresarbeitszahl entscheidet
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme über ein ganzes Jahr aus einer Kilowattstunde Strom entstehen. Eine JAZ von 3,2 bedeutet: aus 1 kWh Strom werden 3,2 kWh Heizwärme. Anders als der auf dem Prüfstand ermittelte COP berücksichtigt die JAZ den realen Betrieb – kalte Tage, Abtauvorgänge, Hilfsstrom.
Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Gebäudebestand typischerweise eine JAZ zwischen 2,8 und 3,8. Erdreich oder Grundwasser als Quelle liegen darüber, kosten aber deutlich mehr in der Erschließung. Genau mit dieser Bandbreite rechnet unser Konfigurator – ein einzelner Wert wäre Scheingenauigkeit.
Vorlauftemperatur ist der Hebel
Je niedriger die nötige Vorlauftemperatur, desto besser die Effizienz. Grob gilt: jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Arbeitszahl um etwa 2 bis 2,5 %. Von 55 °C auf 45 °C sind das 20 bis 30 % weniger Stromverbrauch.
Erreichen lässt sich das über größere Heizflächen. Eine Fußbodenheizung ist ideal, aber nicht Voraussetzung. In der Praxis genügt es oft, in wenigen kritischen Räumen die Heizkörper gegen größere oder gegen Niedertemperatur-Modelle mit Ventilator zu tauschen. Ein hydraulischer Abgleich vorab zahlt sich doppelt aus, weil er zeigt, welche Räume überhaupt das Nadelöhr sind.
Was vor der Entscheidung geklärt sein sollte
- Heizlast: eine raumweise Berechnung nach Norm, nicht die Faustformel „Wohnfläche mal Watt“. Zu groß dimensionierte Geräte takten und verschleißen.
- Kritische Räume: Welcher Raum braucht die höchste Vorlauftemperatur? Der bestimmt die Auslegung für das ganze Haus.
- Aufstellort: Schallschutz zur Nachbargrenze, Abstand zu Fenstern, Kondensatableitung.
- Stromanschluss: Zählerplatz, Absicherung, gegebenenfalls separater Zähler.
- Pufferspeicher und Warmwasser: Warmwasser über Wärmepumpe braucht höhere Temperaturen und drückt die JAZ – bei hohem Bedarf gesondert betrachten.
Die Wirtschaftlichkeit hängt am Preisverhältnis
Ob sich der Umstieg von Öl oder Gas rechnet, entscheidet das Verhältnis von Strom- zu Brennstoffpreis, geteilt durch die JAZ. Vereinfacht: Solange der Strompreis kleiner ist als Brennstoffpreis mal JAZ, sind die Wärmekosten niedriger.
Bei 0,10 €/kWh Gas und einer JAZ von 3,2 liegt die Schwelle bei etwa 0,32 €/kWh Strom. Ein spezieller Wärmepumpentarif nach § 14a EnWG liegt häufig deutlich unter dem Haushaltsstrompreis und verschiebt die Rechnung merklich. Deshalb ist der Tarif in unserem Rechner ein eigenes, editierbares Feld – mit Haushaltsstrom gerechnet fällt das Ergebnis systematisch zu schlecht aus.
Zwei Faktoren kommen hinzu, die den Vergleich über die Jahre weiter verschieben: die Förderung, die bis zu 70 % der Investition tragen kann, und der CO₂-Preis, der nur die fossile Seite belastet.
Wann eine Wärmepumpe eher nicht passt
Ehrlich bleiben gehört dazu. Schwierig wird es bei sehr hohem Wärmebedarf in Verbindung mit kleinen Heizkörpern, die sich nicht tauschen lassen, bei fehlendem Aufstellort mit Schallabstand, oder wenn ohnehin ein Anschluss an eine Fernwärmeleitung ansteht. In solchen Fällen ist die Reihenfolge umgekehrt: erst Hülle und Heizflächen, dann Anlagentausch.
Kurz gefasst
- Die JAZ im Bestand liegt typischerweise zwischen 2,8 und 3,8.
- Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Arbeitszahl um etwa 2 bis 2,5 %.
- Eine Heizlastberechnung ersetzt keine Faustformel – zu große Geräte takten.
- Ein Wärmepumpentarif verändert die Wirtschaftlichkeit deutlich.
- Förderung und CO₂-Preis verschieben den Vergleich zusätzlich zugunsten der Wärmepumpe.
Stand der Angaben: Juni 2026. Die Modellrechnung im Konfigurator ist eine Schätzung als Bandbreite und ersetzt keine fachliche Heizlastberechnung.
Rechnen statt schätzen
Die Analyse übersetzt Ihre Verbrauchswerte in eine Effizienzklasse, priorisierte Maßnahmen und – bei Öl oder Gas – eine Zehn-Jahres-Bilanz gegen die Wärmepumpe.